- Erste Gründungen: Vom Fotografie-Blog zum Hochzeitsbusiness
- Corona, Firmenverkauf & die härteste Phase als Unternehmer
- Warum KI-Transformation vor allem ein Leadership-Thema ist
- Der Wandel von Junto: Von VC-Startup zu profitablem Unternehmen
Thomas Kohler:
Heutiger Gast, Marius Hepp Kemper, Gründer von Junto. Marius, wir haben uns schon kennengelernt vor zwei, drei Jahren über einen Call. Kann ich mich noch erinnern, da haben wir uns dazu mal ausgetauscht, wie die HR, Talent Acquisition Landschaft in Deutschland ausschaut und wollten dort Dinner organisieren gemeinsam.
Und haben jetzt, glaube ich, das erste gemeinsame Dinner, oder? Jetzt zwei Jahre später einmal in München gemacht. Kann ich mich noch erinnern, das war damals so.
Und du wirst dich gleich selber nochmal vorstellen, aber ich finde es cool, dass du mit 17 schon deine erste Firma während der Schule gegründet hast. Da kannst du uns vielleicht nochmal mehr erzählen. Mit 25 warst du dann plötzlich Chef von 30 Mitarbeitenden bei der nächsten Gründung schon.
Das heißt, du hast dann schon mehr Sachen ausprobiert, zwei Gründungen und bist ja erst 25 gewesen. Dann mit 20, 21 Firma verkauft, Passion für Leadership entdeckt und dann 2022 Junto gegründet. Und mittlerweile habt ihr euch auf Leadership Training im KI-Bereich fokussiert.
Über 2000 Führungskräfte schon trainiert von Firmen wie AOK Plus, Ottobock, Rewe Digital, Celonis. Interessant Thema, trifft den Zeitgeist. Ich glaube, da gibt es jetzt viel zu erzählen.
Vielleicht starten wir mal mit mehr zu dir. Stell dich gerne nochmal selber kurz vor.
Marius Hepp Kemper:
Erstmal vielen Dank, Thomas, dass ich hier in deinem neuen Wahnsinns-Podcast-Studio zu Gast sein darf. Ich freue mich sehr, da zu sein. Wir haben uns ja die letzten Jahre immer ein bisschen weiterverfolgt und gesehen, wie wir unsere Firmen aufbauen.
Ich glaube, das ist super spannend. Und uns eint ja dieser unternehmerische Hintergrund. Ich bin schon seit eh und je Unternehmer.
Und ich glaube, das macht mich auch so in meiner Rolle heute als Leadership Advisor für die Firmen, die du gerade genannt hast, wie AOK Plus, wie Ottobock, aus, dass wir aus einem sehr unternehmerischen Angle auf die Perspektive Führungskräfteentwicklung gucken. Jetzt eben auch auf das Thema KI-Transformation. Das verbindet mit einem sehr menschenzentrierten Ansatz.
Ja, das ist irgendwie total cool, dass das jetzt so 15 Jahre nach meiner ersten Gründung, Hochzeitsfotografie war das damals, vielleicht auch noch was zu erzählen, jetzt so viele Sachen zusammenkommen. Mit 17 und auch noch so Vormannschaftsgericht und Co. sind wir damals also in die erste Gründung gegangen, so ein bisschen blauäugig.
Vier Schulfreunde, die Lust an Fotografie hatten. Und wir haben dann einen Online-Blog damals gestartet. Das war so die Zeit, wo Blogs groß waren.
Das muss so 2010 oder sowas gewesen sein. Und haben dann darüber auf einmal Anfragen bekommen von Brautpaaren, die irgendwie gesagt haben, hey, wir haben hier eure Fotos gesehen und sagt mal, ihr schreibt über Fotografie, macht ihr die selbst. Das war so ein Fotografie-Blog.
Und so kam eins zum nächsten. Und ich glaube, wir waren so mit die Ersten, die dann so das Thema Suchmaschinenoptimierung und Google Ads damals verstanden hatten in dieser Hochzeitsbranche und waren, glaube ich, ganz gut darin, da ein Geschäftsmodell draus zu machen. Und es ist echt verrückt gewesen, weil ich glaube, mit 19 oder so dann als Teenager, kurze Zeit später, bin ich selbst auf knapp 100 Hochzeiten gewesen in Summe.
Und wir haben dann nach und nach ein Team an freien Fotografen zusammengestellt, also parallel zur Schule, später auch zum Studium. Und das waren irgendwie so die ersten unternehmerischen Berührungspunkte. Also eigentlich verrückte Story im Nachhinein.
Jetzt in sechs Wochen heirate ich selbst. Nochmal, zweite Hochzeit, die gleiche Frau. Aber glücklicherweise, letztes Jahr Standesamt, heute richtig.
Und ich habe schon meinen Fotografen vorgewarnt. Wir kommen natürlich jetzt mit ganz spezifischen Vorstellungen.
Thomas Kohler:
Du kannst ja den Blog von damals nochmal auspacken.
Marius Hepp Kemper:
Ja, genau. Ich zeige ihm nochmal ein paar Fotos.
Thomas Kohler:
Ja, wow. Und du hast das während der Schule damals gemacht, oder?
Marius Hepp Kemper:
Richtig, richtig. Und habe dann aber nochmal studiert. Also auch eine spannende Entscheidung.
Ich glaube, du hast ja dann gesagt, ich ziehe mehr oder minder direkt durch. Wir sind nochmal den Umweg ums Studium gegangen. Würde ich vielleicht heute auch nicht nochmal so machen.
Und sind dann interessanterweise, da geht so die unternehmerische Reise weiter, haben wir gesehen in der USA, viele Fotografen hatten so Fotoboxen, die du dann später auf jedem Geburtstag, jeder Hochzeit irgendwann gesehen hast, mitgebracht. Das war so ein Riesenrenner. Wir haben das Konzept dann nach Deutschland gebracht und zwar für Marken.
Also haben dann auf einmal für einen Mercedes, für einen Porsche, für mehr als die Hälfte der DAX-Unternehmen, witzigerweise, haben wir so Fotoboxen als Marketingkonzept aufgebaut. Also das war so diese zweite Stufe, die dann später dazu geführt hat. Das ging dann echt schnell nach dem Studium, dass wir dann nach zwei Jahren irgendwie ein paar Millionen Umsatz und profitable Firma mit im Höhepunkt dann bis zu 30 Leuten, wenn du alle mitzählst, gewesen sind.
Und dann kam Corona und das war natürlich ein Live-Business. Und in einer Minute auf den ersten waren quasi 90 Prozent des Revenues weg.
Thomas Kohler:
Und habt ihr das damals alles selber eigenfinanziert? Wir haben das alles eigenfinanziert.
Marius Hepp Kemper:
Wir haben viel mit Leasing gearbeitet, haben die Hardware geleast und sind aber echt aus dem Cashflow gewachsen. Und das hat halt lange gut funktioniert, bis dann die große Covid-Delle kam und uns auch am ganz vulnerablen Punkt, wo wir gerade so ins Wachstums reingegangen sind, viel schon investiert hatten, Verpflichtungen aufgenommen haben, getroffen haben. Und das war echt eine super bittere Zeit für uns als Unternehmer.
Thomas Kohler:
Ja, das sind so 30 Leute.
Marius Hepp Kemper:
Ja, und das ist wirklich so gewesen. Ich habe die Firma ja noch restrukturiert dann eineinhalb Jahre und verkauft. Und wir sind eine kleine Gruppe von etwas weniger als zehn gewesen, die dann im Kern noch waren.
Also es war wirklich tough so, erst über Kurzarbeit, später so, als klar war, diese Covid-Welle würde länger dauern. Es hat am Ende ja wirklich dann zwei, drei Jahre gebraucht. Wir mussten da sehr harte Entscheidungen treffen.
Und hey, im Nachhinein, jetzt ein paar Jahre später, ich gucke irgendwie auch zurück und denke, naja, es hat mich, glaube ich, auch zu dem Unternehmer und irgendwie der Führungskraft gemacht, die ich heute bin. Und ich glaube, irgendwie auch ein Weg gewesen, der mich jetzt zu Junto geführt hat. So, weil ich habe so viele damals Probleme gehabt, wo ich dachte, hey, ich suche irgendwie Leute, mit denen ich mich gerne austauschen würde oder ich will da mal irgendwie ein Seminar machen.
Wir haben es ja nirgends gelernt. Wir kamen da aus der Uni ganz frisch drauf. Und dann haben wir uns ein bisschen umgeguckt und haben da diese Marktlücke gesehen.
Und hey, anderen Firmen geht es irgendwie auch so. Da gibt es noch nicht so ein richtig cooles Angebot. Also Coaches gibt es ja wie Sand am Meer oder so Trainingsangebote.
Aber nichts von dem fanden wir irgendwie wirklich zeitgemäß und dann später auch so für größere Firmen wirklich skalierbar. Und so ist eigentlich Junto dann daraus entstanden.
Thomas Kohler:
Okay, Wahnsinn. Das heißt, aus einem Fotografie-Business ist dann ein Fotografie-Business mit Boxen entstanden. Mehrere Millionen Euro Umsatz und dann einmal außen wirkende Faktoren, wie zum Beispiel Covid, hat euch dann komplett durch die Rechnung gezogen.
Da musstest du nochmal sanieren. Du hast Leute wahrscheinlich entlassen, zwei Drittel von 30 auf 10. Und die 10 waren auch auf Kurzarbeit?
Marius Hepp Kemper:
Die waren zwischenzeitlich auch auf Kurzarbeit, weil wir wirklich Monate gehabt haben und keinen Euro Umsatz mehr gemacht. Und ich glaube, das letzte Quartal davor waren wir so auf drei Millionen Umsatz Runrate knapp. Also es war schon eine heftige Delle.
Und deshalb mussten wir da wirklich ordentlich kürzen.
Thomas Kohler:
Habt ihr euch in der Zwischenzeit auch immer wieder mal Geld ausgezahlt oder habt ihr alles reinvestiert?
Marius Hepp Kemper:
Wir haben einen Großteil reinvestiert. Also ich bin da ziemlich mit Null rausgegangen. Und dann ist aber eine ganz verrückte Geschichte passiert.
Das vielleicht noch als letztes zu diesem Kapitel. Aber in der Corona-Zeit gab es ja auch Gewinner. Zum Beispiel der ganze Krypto-Boom damals.
Und ich hatte einen Mitarbeiter damals eingestellt, der von Nike zu uns kam. Also der erste größere Leadership-Hirer, verschiedene Stores verantwortet, hat da so eine Region geführt und uns quasi operativ so aufs nächste Level heben sollte. Und der ist in diesem Krypto-Boom dann plötzlich zum Millionär geworden und hat tatsächlich am Ende mir die Firma abgekauft.
Ist die Kurzfassung dessen. Und also ganz verrückte Geschichte. Und also die Firma über verschiedene Umwege.
Wir sind jetzt nicht mehr im so engen Austausch wie früher, aber glaube ich existiert noch und hat irgendwie coole Kunden. Ich gucke manchmal und sehe so die Case-Studies und freue mich und denke so irgendwie schön und auch so rückblickend. Es passiert ja auch alles irgendwie für einen Grund.
Hat uns irgendwie die Chance gegeben, einfach nochmal neu zu starten von einem Blatt Papier. Und dann bin ich echt so in mich gegangen, hab so überlegt, Mensch, was könnte das nächste Ding sein? Und ich wusste, ich will irgendwie was machen, was an diese Führungserfahrungen anknüpft.
Und hab diese Lücke gesehen und dann mir verschiedene Modelle irgendwie angeguckt und dann sind wir 2022 mit Junto Häusern an den Start gegangen.
Thomas Kohler:
Und was macht Junto jetzt?
Marius Hepp Kemper:
Du, im Kern ist es eigentlich kohortenbasierte Führungskräfteentwicklung. Also wir arbeiten mit großen Firmen, vor allem mittlerweile zusammen. Eben eine AOK Plus hast du vorhin schon genannt, eine Rewe Digital, einem Celones aus dem Digitalbereich, einem Otto-Bocken-Familienunternehmen, also unterschiedlicher Couleur.
Und was die aber halt alle eint, ist, dass sie natürlich verstanden haben, im Herzen unseres Geschäftserfolgs langfristig stehen die Menschen und dort am wichtigsten eigentlich die Führungskräfte. Und wir bringen die zusammen in einem so multimodalen Trainingskonzept, kannst du eigentlich sagen, was halt nicht nur irgendwie so klassisches Offline-Seminar ist, alle mal zwei Tage in Workshop. Super happy die Leute, irgendwie im Seminarhotel in Augsburg, so alle stehen an der Bar zusammen, finden das cool.
Und so zwei Wochen später ist eigentlich nichts passiert, sondern wir verknüpfen wirklich so die verschiedenen Modi, die halt Sinn machen. Also da ist Training dabei, da sind virtuelle Elemente dabei, wir haben eine eigene E-Learning-Plattform, die mit verknüpft ist, bieten 1-zu-1-Coaching an, wirklich als ganzheitliche Befähigung, so um diese Führungskräfte halt dann auch skalierbar aufs nächste Level zu bringen.
Thomas Kohler:
Du hast ja auch eine These aufgestellt. Ich frage immer, was ist eine These, an die du glaubst, an die vielleicht andere nicht glauben? Und deine ist, KI-Transformation ist eine Frage des Leaderships, nicht der Tools.
Das passt ja auch sehr gut jetzt zu Junto, oder?
Marius Hepp Kemper:
Ja.
Thomas Kohler:
Ist das schon vorher dein Glaube gewesen, oder hat sich der erst jetzt herauskristallisiert durch die Intensität in dem Bereich durch Junto? Oder wie bist du zu dieser These gekommen?
Marius Hepp Kemper:
Ja, als erstes mal counterintuitive, oder? Also wir so als Unternehmer vielleicht sitzen da und denken, ey, wow, mit KI ist so viel Effizienzgewinn möglich, so viel Qualitätsgewinn. Genau, und wenn du so in Silicon Valley guckst, jetzt werden da ja auch alle möglichen kruden Thesen vertreten natürlich von Leuten, die selber da auch an ihrem Börsengang arbeiten und ein gewisses Interesse haben, diese Thesen so in den Markt zu bringen.
Und die Realität zeigt ja, egal ob das jetzt eine KI-Transformation ist, ob das irgendwie, weiß ich nicht, eine Workday-Implementation, die vielleicht die Zuhörenden irgendwie bei sich in den Firmen kennen, so am Ende, die Tools sind ja nur so mächtig wie der Mensch, der sie einsetzt. Und ich glaube, das ist eine Realisierung, vor der viele Firmen jetzt auch stehen. Also ich habe die letzten Monate mit über 30 HR-Führungskräften speziell zu diesem Thema jetzt KI auch nochmal gesprochen, weil wir da ein neues Produktangebot für geschaffen haben.
Und was ich halt immer wieder höre, ist dieses so, hey, wir geben da jetzt teils Millionen für Co-Pilot-Lizenzen aus. Eine große Firma, die wirklich tausende Lizenzen, Co-Pilot, vor allem manche auch Gemini, so die wenigsten eigentlich, Cloud und Chat-GPT, aber wir rollen diese Lizenzen aus und entweder keiner nutzt sie, so ist der eine Fall, oder wenn sie genutzt werden, eigentlich gar nicht in dem Umfang oder in der Qualität, was wirklich möglich ist.
Thomas Kohler:
Wenn du jetzt aus diesen 30 Gesprächen so Muster ableitest, wie würdest du die Nutzung von so großen Firmen zum Beispiel im KI-Bereich, wie würdest du die einteilen? Gibt es ein paar, die sind Verweigerer und wie viele? Und wie sind dann die Gespräche in den Firmen?
In den Firmen ist es so, nein, ich weigere mich, weil generell Technologie oder ich lasse mir nicht meinen Job wegnehmen aus Angst oder auch aus Trotz. Dann gibt es ein paar, die es halt nutzen, aber inwieweit ist es vielleicht die Stellenanzeige, die man auf Rechtschreibung korrigiert oder eine E-Mail, die man auf Rechtschreibung korrigiert oder ist es etwas, was auch schon wirklich in Kernprozessen integriert ist, dass man echt schon Prozessschritte verbessert, wo man vielleicht nur irgendwas 1 oder 0,5 Prozent schneller macht im Gesamtsystem, aber wenn man das 10 oder 100 Mal irgendwo macht, kriegt man auch viel raus. Hast du dazu mehr Einblicke, mehr konkrete Infos, die du teilen kannst?
Marius Hepp Kemper:
Ja, und das ist super heterogen. Also, was wir jetzt gemacht haben nach den Gesprächen, ist, wir haben mal so ein Reifegrad-Modell aufgestellt, so Work in Progress, was wir weiterentwickeln. Da gibt es auch so einen Generator dazu, vielleicht kann man den sogar irgendwie verlinken oder so.
Und was wir halt machen, ist, dass wir die Firmen quasi uns angucken, ganz ähnlich, wie du es beschrieben hast, eigentlich so unterteilen, hey, wo steht ihr denn gerade? Und was es halt typischerweise gibt, ist so diese Skeptiker- und Verweigererphase am Anfang, ja. Es sind aber die allerwenigsten eigentlich.
Die meisten sind, würde ich sagen, in der zweiten Phase und ich sage mal so der FOMO-Phase. Also, die wissen, da ist was, aber sie wissen noch nicht richtig, wie soll ich es nutzen? Sie haben noch keine klare KI-Strategie, sie haben so die ganzen Compliance-Themen, Stichwort EU-AI-Act und so KI-Führerschein abgehakt.
Man hat mal so ein E-Learning an alle ausgerollt, hier ist der neue Chatbot, das kannst du machen. Aber einen wirklichen Produktivitätsgewinn gibt es nicht. Und die dritte Phase, wo wir eigentlich hinwollen, das ist, würde ich sagen, die Produktivitätsphase.
Das ist noch nicht Phase 4, agentische Organisation und Zukunft des Silicon Valleys. Ich glaube, darüber sprechen wir eigentlich noch gar nicht. Sondern es ist wirklich das, wie kann ich als Führungskraft für mich in meinem Team ganz konkrete Anwendungsfälle finden, wo ich sage, egal ob ich im Vertrieb bin, im Marketing, in den Finanzen, da kann ich mir ein paar Stunden pro Woche mal freischaufeln.
Und das ist eigentlich für jeden möglich. Und ich glaube, da wollen die Firmen gerade hin. Und den meisten fehlt aber noch so die konkrete Strategie.
Und das ist auch so ein bisschen der Weg, wo wir jetzt gerade in den Pilotprojekten, die wir machen, mit den Firmen mit ins Spiel kommen.
Thomas Kohler:
Und mit welcher These kaufen die Firmen diese Tausende an Lizenzen?
Marius Hepp Kemper:
Also ich glaube, meist gibt es eine begeisterte CEO ganz oben. Also ich habe das Gefühl, da ist sehr viel Glaube grundsätzlich an Produktivitätsgewinn, vor allem da. Und wenn du dir vorstellst, du bist jetzt CEO gerade von einer Public Company, kannst du darauf wetten, dass natürlich dein Board of Directors oder Advisory die natürlich die ganze Zeit schon am Texten sind.
Wahrscheinlich so, hey, und was macht ihr mit AI? Wann können wir endlich von diesem Boom teilhaben? Und ich glaube, das ist ehrlicherweise oft die Kaufentscheidung, warum diese Lizenzen in dem Maße ausgerollt werden.
Und verstehe mich nicht falsch, ich glaube da total dran. Also wir haben massiv, auch bei Junto, wir haben ja auch nochmal so ein bisschen eine Neustrukturierung bei uns vorgenommen. Und da extreme Effizienzgewinne einholen können.
Eben auch mit einem guten Einsatz von KI. Aber es ist halt nicht damit getan, auf den Knopf zu drücken und zu sagen, komm, jetzt haben wir hier ein paar hundert oder gar ein paar tausend Lizenzen. Den Leuten stehen sie zur Verfügung, jetzt sollen sie halt mal machen.
Weil im Kern ist es kein technisches Training, sondern es ist eben, wie du gesagt hast, ein menschliches, weil es ja Ängste gibt. So, hey, wird mein Fobo, habe ich gestern auf unserem AI Executive Dinner in Düsseldorf gelernt, die Fear of Being Replaced oder Obsolete, also so die Angst, dass dein Job morgen weg ist. Oder einfach eine Angst darüber, hey, ich kann das nicht lernen vielleicht oder so.
Mensch, ich stehe schon kurz vor der Rente oder so ein Thema, was mich nicht mehr betrifft. Und den Leuten erst mal auf dieser emotionalen Ebene zu begegnen und eine Offenheit für diesen Wandel mitzubringen. Mal zu zeigen, hey, guck mal, hier ist ein kleiner Use Case, den kannst du für dich mal implementieren.
So nimmst du dein Team auch mit, so kannst du denen mit ihren Sorgen begegnen. Das sind, finde ich, eigentlich die entscheidenden Fragen, die ganz oft vergessen wird, wenn wir einfach nur sagen, komm, here is the tool, go use it.
Thomas Kohler:
Und du hast jetzt eine Firma, die ist ganz klar am Markt positioniert. Die ist jetzt auch profitabel, hast du gesagt. Die ging auch durch einen Wandel.
Kannst du uns dazu noch mal abholen, was jetzt die Reise von Junto war, von 2022 bis jetzt, vier Jahre am Markt. Jetzt auch sehr erfolgreich. Und zwischenzeitlich hast du ja auch mal erzählt, dass es auch Höhen und Tiefen gab.
Kannst du uns da noch mal mitnehmen?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also echt eine Achterbahnfahrt. Und ich glaube, wie jede unternehmerische Reise auch für uns. Und der wesentliche Unterschied ist, wir sind mit Junto ja gestartet, noch auf dem Remote-Hype von 2022, wo alle Firmen gesagt haben, es wird keine Office-Kultur mehr geben.
Wir bauen alles komplett remote auf. Und unsere These war, wir bauen eine Live-Learning-Plattform, die diesen quasi neuen Remote-Standard für diese Firmen wirklich komplett skalierbar ermöglicht. Und das vielleicht CoachUp in der Zeit mitverfolgt, die ja binnen kürzester Zeit da auf neunstellige Umsätze gewachsen sind mit 1-zu-1-Coaching.
Und unsere These war, wir haben uns dieses und weitere Modelle angeguckt, mit den Gründern auch ausgetauscht damals und gesagt, hey, wir bauen das für Training und machen quasi One-to-Many-Training, so wie das CoachUp mit One-to-One-Coaching macht. Und die These ist nicht aufgegangen, weil wir schnell gemerkt haben, so Return-to-the-Office, ganz knappe Learning-and-Development-Budgets, viele Firmen, die quasi sich da am Markt verändert haben und unsere Kern-Zielgruppe damals waren Start-ups, die hat es besonders hart getroffen. Und wir haben am Ende dann die schwierige Entscheidung getroffen, dass wir die Investoren, die wir mit auf diese Reise genommen haben, 50 Business Angels, drei Venture-Capital-Funds, also wirklich nach sechs Monaten da ja schon über sechs Millionen Euro eingesammelt, dass das nicht die Finanzierungsform ist, mit der wir in Zukunft weitermachen können.
Das klingt ja zu easy im Nachhinein, war aber natürlich echt auch für mich so noch eine krasse Identitätskrise, weil ich ja diese Vision verkauft habe, dem Team, den Investoren. Was war die Vision? Um mir nochmal einzugestehen, das war dieses so, wir rollen das aus wie ein Coach-Up mit einem ganz starken Vertriebsfokus, komplett digital, so in sieben Jahren auf 100 Millionen Umsatz und so mit dem Kopf durch die Wand so ein bisschen.
Und das ist vielleicht auch mit Ende 20 so, das war so die Phase, in der ich vielleicht auch war als Gründer.
Thomas Kohler:
Und das will man, weil man es irgendwie muss gefühlt, oder?
Marius Hepp Kemper:
Ja, ich meine, guck mal, du kennst das ja auch als Bootstrapped-Founder, so mit der Firma davor, was ich vorhin vor Covid erzählt habe, so habe ich natürlich auch immer mal wieder aufgrund der Szene gelesen, oder irgendwie Freunde, Freundinnen aus dem Umfeld, die irgendwie viel Geld geraced haben und habe das so ein bisschen immer wieder so gedacht, so das Nachbarsgras ist ja immer grüner und bekanntlichermaßen so, hey, das ist irgendwie die richtige Form von Unternehmertum.
Und da so für mich so zu realisieren, hey, das ist eine total spannende Vision, aber das, was wir da machen wollten, und das hat auch Hand und Fuß gehabt, passt einfach nicht mehr in diese Marktdynamik und damit ist auch die Finanzierungsform einfach die falsche, sondern hier ist eine Opportunität da. Ich brenne persönlich wahnsinnig für dieses menschliche, psychologische Thema von Leadership-Entwicklung. Ich habe eine totale Passion jetzt für das Thema AI, was da mit dazu kommt.
Ich habe total Bock auf dieses Geschäft und die Kunden, mit denen wir das machen, aber ich will das auf eine ehrliche, nachhaltige Art und Weise machen und das passt einfach nicht mehr zu dem Wachstumsdruck, der natürlich mit Wagniskapital einhergeht. Und dann zu realisieren, aus der Mühle müssen wir aussteigen, also das war wirklich taff. Und ich habe die Investoren und Investorinnen dann angesprochen, habe gesagt, guckt, so ist die Lage.
Jeder, der die Chance hat, nutzen möchte, kann jetzt rausgehen. Wir haben das Geld zum Glück nicht ausgegeben, sondern konnten wirklich einen sehr signifikanten Teil des Investorengeldes auch noch zurückzahlen. Und viele haben das wertgeschätzt, auch die Ehrlichkeit, und gesagt, hey, kommt, dann gebt mir irgendwie die Kohle zurück.
Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Und für uns war es ein totales Privileg, dann vor eineinhalb, zwei Jahren zu sagen, hey, wir legen den Schalter um und machen Bootstrap nochmal mit. Das waren etwas über sechs Millionen Euro damals.
Thomas Kohler:
Und das konnten Sie alles wieder zurückzahlen?
Marius Hepp Kemper:
Nicht alles, nein. Aber es waren eben auch noch siebenstellig was da, und das haben wir wieder zurückgezahlt. Und ich glaube, das war schon was, weil das nicht üblich ist, auch so in der VC-Welt, was die Leute geschätzt haben.
Also einfach so zu sagen, hey, da sind zwei Gründer, mein guter Freund Johannes, mit dem ich die Firma damals aufgebaut habe, und ich so, die verprassen jetzt nicht die restliche Kohle oder ziehen sich da jetzt irgendwie noch jahrelangen Gehalt raus, sondern die sind so ehrlich und gucken uns irgendwie in die Augen und sagen, hey, das, worauf wir damals gewettet haben, das war eine gute Hypothese, aber es ist nun mal Risikokapital aus gutem Grund. Das Risiko ist eingetreten, und wir wollen das auf kleiner Flamme irgendwie weitermachen.
Johannes für sich auch entschieden, er hat eine Leidenschaft dann im anderen Bereich, macht im Sportbereich sich gerade selbstständig, total cooles Business, und ich halt gemerkt so, hey, nee, ich kann nicht loslassen, das ist irgendwie mein Baby, ich will da weitermachen und bin total happy, die Entscheidung gegangen zu sein. Und jetzt zwei Jahre mal später, das ist auch total interessant, da sind wir mit einem wesentlich kleineren Team, machen wir dieses Jahr doppelt so viel Umsatz wie zu Hochzeiten der VC-Phase. Also haben wir eigentlich ein erfolgreicheres Business mit einem viel schmaleren Setup.
Thomas Kohler:
Wie viele Leute hattest du zum Peak?
Marius Hepp Kemper:
Wir sind etwas über 20 damals gewesen. Richtig, mit Freelancer und Co. Also es ist auch eine spannende Case Study, wenn du so willst, für eine KI-Transformation intern.
Und ich will nicht sagen, dass das jetzt nur KI-Effizienzgewinne sind, das ist es nicht. Aber es hat uns natürlich gezwungen, jetzt auch die letzten zwölf Monate halt massiv da zu optimieren, weil alles, was ich früher dann irgendwie mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin gelöst hätte, so muss ich jetzt halt durch smarte Prozesse lösen. Und das ist ein Weg, auf dem wir auch immer noch sind, und das ist bei weitem nicht perfekt.
Aber es zwingt uns irgendwie selber quasi eat your own dog food, das vorzuleben, was wir jetzt auch, glaube ich, ganz gut mit in die Partnerschaft mit den Klienten bringen können. Das ist natürlich auch ein Unterschied. Bist du eine Firma mit zehn Leuten in so einem Agentur-Setup, oder bist du irgendwie wie Ottobock ein familiengeführtes, traditionsreiches Unternehmen mit 10.000 Menschen in 100 Ländern und Börsen notiert. Da geht die Transformation nicht ganz so schnell. Und trotzdem ist es, glaube ich, für dich auch ein totaler Mehrwert, jetzt mit einem Partner wie uns halt arbeiten zu können, der diese Reise selbst schon durchgegangen ist.
Thomas Kohler:
Und ihr habt ja dann eine Plattform, oder, die ihr zur Verfügung stellt, wo dann Lerninhalte ihr selber generiert oder die generiert werden. Oder wie funktioniert das genau?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also wir stellen diese Lernplattform zur Verfügung und wir erstellen auch passgenaue Inhalte für den jeweiligen Use Case der Firma. Also keine Programme von der Stange, sondern wirklich Sachen, die wir uns genau angucken. Was braucht die Company individualisiert für die Firma?
Und das Besondere ist auch, das sind jetzt nicht nur mein Team und ich, die diese Inhalte irgendwie generieren und mit in die Firma bringen, sondern wir haben ein ganz starkes Netzwerk von wirklich erfahrenen Executives, die selbst auch sich als Coach Trainer quasi weitergebildet haben. Und von denen die Inhalte und vor allem auch dann die Fallbeispiele, die ganzen praktischen Übungen, Anwendungen, die wir machen, kommen. Also da sind Leute dabei, die zum Beispiel im Vorstand bei Coca-Cola oder Vodafone waren.
Wir haben jemanden, der bei Siemens in Indien das Geschäft an die Börse gebracht hat als CFO. Und wenn der nochmal was zum Thema Transformation erzählt, ist das natürlich auch was völlig anderes, als wenn wir das machen. Also wir stellen eher die Plattform zur Verfügung.
Wir kurantieren quasi die richtigen Leute und sorgen dafür, dass das ein ganzheitliches Konzept ist. Und dann bringen wir diese Executives quasi mit, die echt auch nochmal die Erfahrung aus vielen Jahren, Jahrzehnten, Transformationen mit in die Firma bringen.
Thomas Kohler:
Wie inzentiviert ihr dann den Siemens-Indien-CFO, dass der bei euch Inhalte generiert?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also ich meine, wir zahlen verdammt gut, glaube ich. Also kannst du einen richtig guten Stundenlohn bei uns kriegen.
Thomas Kohler:
Okay, das ist auf Stunden vergütet oder sogar in Vollnutzung?
Marius Hepp Kemper:
Nee, das ist auf Stunden vergütet. Und ich glaube, wir sind auch ein total cooler Partner für den, weil wir natürlich eine Plattform bieten, mit der du in ganz wenig Aufwand richtig Impact haben kannst. Also die stehen ja meist an dem Moment in ihrer Karriere, wo die jetzt nicht mehr auf den letzten Euro optimieren.
Und das ist cool, dass wir, glaube ich, gut zahlen. Das ist auch eine Form von Wertschätzung, die du irgendwie so als Senior Advisor erwartest. Das ist aber nicht das Entscheidende, sondern das Entscheidende ist, dass du mit ein paar wenigen Stunden Einsatz pro Monat, viel mehr machen die meist gar nicht so, weil wir ihnen alle Arbeit drumherum abnehmen.
Die bauen auch keine Folie selbst. Die sind dann nicht irgendwie in der Lernplattform jetzt in der Administration beschäftigt, sondern das macht mein Team komplett und denen trotzdem die Chance geben, halt viele Leute zu erreichen. Manche haben ja eine Advisory Practice oder eine Coaching Practice, wo sie eins zu eins schon arbeiten.
Aber wenn wir jetzt bei einer AOK zum Beispiel 700 Führungskräfte über mehrere Jahre trainieren, ist das natürlich ein ganz anderer Hebel, den wir ihnen zur Verfügung stellen, wo sie vielleicht alleine gar nicht die Schlagkraft hätten, so ein Mandat auch zu gewinnen.
Thomas Kohler:
Und ist es für die dann auch interessant, vielleicht dann nochmal direkt beauftragt zu werden, weil die kennt man ja dann aus den Trainings und dann, oder?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also auch die Chance gibt’s.
Thomas Kohler:
Und was zahlt sie dann so jemanden von bis als Range, wenn du sagst, ihr zahlt sehr gut?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also man kann schon rechnen, mal 500 Euro auf die Stunde oder so. Also das, was die so als Beratungsmandat bekämen. Du hast natürlich so ein bisschen Vor- und Nachbereitung auch immer noch.
Also es unterscheidet sich, aber es sind schon Top-Tagessätze, glaube ich, wo wir uns nicht verstecken müssen.
Thomas Kohler:
Und auf der Kundenseite, wie funktioniert so das Commercial-Modell? Zahlen die einfach eine monatliche Fee oder eine jährliche Fee oder wie ist das?
Marius Hepp Kemper:
Wir machen ganz einfach einen Preis eigentlich pro Nutzer, pro Nutzerin. Also schauen uns an, wie viele Führungskräfte sind das? Und dann bieten wir quasi einen Gesamtpreis, der wirklich auch, mit dem man dann planen kann.
Thomas Kohler:
Und in welcher Größenordnung ist man da dann unterwegs?
Marius Hepp Kemper:
Du, das hängt wirklich vom Projekt total ab. Um dir irgendeine Range mal zu geben, wenn wir da über, sagen wir mal, drei bis sechs Monate die Leute durch ein Programm mit vielleicht fünf, sechs, sieben Live-Inhalten der Lernplattform, 1 zu 1 Coaching, vielleicht auch mal einem Präsenzelement, einen Workshop-Tag noch dabei in so einem Spektrum zu so mit 1.000 bis 3.000 Euro pro Führungskraft, je nach Umfang rechnen.
Thomas Kohler:
Im Jahr?
Marius Hepp Kemper:
Genau, für so ein Programm, ja.
Thomas Kohler:
Ja, das ist ja, also, ich habe das mal irgendwo gelesen, wenn man gesagt hat, ja, aber was ist, wenn wir in die Leute investieren und sie gehen? Und dann hat der andere gesagt, ja, was ist, wenn wir in die Leute nicht investieren und sie bleiben?
Marius Hepp Kemper:
Und dann hast du die Leute da sitzen.
Thomas Kohler:
Ja, genau.
Marius Hepp Kemper:
Ja, und die Firmen, die fortschrittlich sind, die verstehen das natürlich.
Thomas Kohler:
Ja, und ich verstehe, also ich weiß auch, wie schwer es ist in Deutschland zum Beispiel, Personen einfach zu kündigen und dann sagen, ah, die alten Hasen, die brauchen wir jetzt alle nicht mehr, die nehmen wir jetzt raus und jetzt stellen wir einfach neue ein. Ja. Erstens ist das auch ein bisschen moralisch vielleicht eine Frage, wie man das überhaupt, ne?
Ja. Aber zweitens, darf man das überhaupt, kann man das überhaupt machen? Und dafür gibt es ja auch eigene Businesses, die teilweise nur darauf spezialisiert sind, Outplacement zu betreiben im großen Stil oder im skalierbaren Stil, was halt so ein sensitives Thema ist und es wird ja auch, glaube ich, immer versucht zu verstehen, wie kann man Leute anders einsetzen?
Aber das ist halt leichter gesagt als getan, weil so ein Hire mal extern und dann wieder vielleicht ein Headhunter zu bezahlen, das ist halt einfach gemütlicher, angenehmer und löst das Problem meist schneller.
Marius Hepp Kemper:
Ja.
Thomas Kohler:
Anstatt jetzt zu sagen, okay, ich denke jetzt wirklich langfristig, ich gehe das jetzt wirklich an der Wurzel, an das Problem und versuche jetzt die Leute komplett zu nutzen im Sinne von, die sind ja schon da, die haben ja schon einen wichtigen Kontext, aber gleichzeitig halt auch deren Potenzial auch nochmal versuchen zu sehen und zu nutzen und die dann einfach umzulernen, oder?
Marius Hepp Kemper:
Total.
Thomas Kohler:
Das ist ja ein Thema, was viele Firmen auch müssen, weil sie keine andere Wahl haben.
Marius Hepp Kemper:
Ja, 100 Prozent. Und ja, gerade die Leute so, die am ehesten vielleicht gehen würden, deine Top-Talente und deine Führungskräfte, das ist ja so das, worauf wir uns spezialisiert haben. Wenn du dir da anguckst, was du für einen guten Headhunter bezahlst, bist du schnell 50 oder 100.000 Euro los.
Thomas Kohler:
Auf alle Fälle.
Marius Hepp Kemper:
Anfänglich vom Jahresgehalt und gleichzeitig kannst du für so einen Preis aber vielleicht 30 Führungskräfte durch ein Junto-Programm zum einen upskillen natürlich, aber ganz anders auch an dich nochmal als Arbeitgeber. Das ist ein zweiter ganz wesentlicher Grund.
Thomas Kohler:
Ich habe noch eine Frage. Du hast jetzt viele schon gesehen. Wie alt bist du jetzt?
Mitte 30 ungefähr?
Marius Hepp Kemper:
Wird im Mai 33. Ja.
Thomas Kohler:
Und hast jetzt über zehn Jahre Erfahrung als Selbstständiger eigentlich, oder? Was hat dich denn am meisten geprägt?
Marius Hepp Kemper:
Du isst schon für mich die Auf und Abs dieses Unternehmerlebens.
Thomas Kohler:
Gibt es so einen Moment, wo du sagst, dann hat sich für dich Erfolg geändert oder irgendeine Blickweise entwickelt, die du vorher nicht hattest?
Marius Hepp Kemper:
Ich würde sagen, ich habe so von jeder Narbe gelernt. Also der Corona-Krise, so jetzt der Junto-Restrukturierung nochmal. Und wenn ich zurückgucke, sind es eigentlich die Momente, die ich nicht missen will.
Die damals natürlich superschwierig waren. Und hättest du es mir da gesagt, hätte ich es nicht hören wollen. Wo ich aber jetzt denke, eigentlich ist das wahrscheinlich der wahre Grund, warum ich auch Unternehmer geworden bin.
Weil es wie so eine Autobahn für Persönlichkeitsentwicklung ist. Und ich mit meinen eigenen Trigger-Punkten, meinen Kindheitserfahrungen, alten Traumata konfrontiert werde und irgendwie die Chance habe, an denen arbeiten zu dürfen. Und ich glaube, das ist das, was mich total fasziniert.
Und ich glaube, warum ich auch mit dem Junto-Modell so happy bin. Das irgendwie anderen mitgeben zu dürfen, ist ein Riesenprivileg. Ich glaube, der eine Moment vielleicht, oder die eine Sache so, die mich am meisten im Positiven verändert hat, ist, ich bin 2018 dann so einem Unternehmerverein beigetreten.
Entrepreneurs Organisation oder EO heißen die. Und du kennst das Format, das ist wirklich so eine Art Selbsthilfegruppe für Unternehmer, Unternehmerinnen. Acht Leute treffen sich einmal im Monat, kann man sich vorstellen, sitzen zusammen und erzählen sich natürlich drei Stunden von ihren Problemen.
Ein bisschen vereinfacht gesprochen. Das sind alles auch erfolgreiche Unternehmer, Unternehmerinnen, musst irgendwie eine Million Umsatz machen zum Beispiel, dass du überhaupt teilnehmen darfst. Bist oft auch sehr gut ausgebildet worden dort schon, was so das psychologische Sicherheitsgefühl in der Gruppe angeht.
Und das hat halt bei mir total viel verändert zu sehen. Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Ich bin mit meinen Problemen nicht allein.
Ich habe da irgendwie einen Safe Space, mit dem ich sprechen kann. Und ich glaube, das war auch so ein bisschen eine Vision für Junto zu sagen, hey, so einen Raum, wie es das für uns als Unternehmer gibt, das hast du als Mitarbeitende eigentlich überhaupt nicht.
Und wie könnte das in den Firmen eigentlich aussehen, dass wir da die Leute auch zusammenbringen. Deshalb setzen wir so stark auf Peer Learning heute, wo es auch so kleine EU-Gruppen sozusagen in den Führungskräfteentwicklungsprogrammen gibt, um die Leute halt in Austausch zu bringen. Also das hat für mich viel in Gang gebracht damals.
Thomas Kohler:
Was ich auch spannend finde, wie du erzählt hast, dass ihr am Anfang sehr breit in den Markt seid und dann habt ihr gesehen, die These war jetzt nicht die richtige. Und dann hast du ja gesagt, dann macht ihr KI-Transformationstraining für Führungskräfte im KI-Bereich in Deutschland, oder? Ja.
Das ist ja eine sehr klar runtergebrochene Nische, die jetzt nicht zu klein oder zu tief ist. Es ist schon groß und breit. Das ist ja auch ein Thema mit Rückenwind gerade.
Aber es ist halt klar und es ist halt konkret. Ja. Aus meiner Sicht sind das die Firmen, die das für sich aus der Iteration heraus finden, dann die, die richtig erfolgreich werden können.
Wenn der Markt auch gut genug ist und natürlich die Operations, die Gründer, das Team, was auch immer. Aber wie schaust du denn darauf? Hattet ihr vorher schon so einen richtigen Product-Market-Fit?
Habt ihr den jetzt aus deiner Sicht? Und für welche Produktkategorie, in welcher Kundengruppe? Das wäre auch immer spannend zu verstehen.
Marius Hepp Kemper:
Ja, total. Das war so ein bisschen die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Suche nach dem Product-Market-Fit als Gründer.
Ich glaube, Product-Market-Fit ist ein Spektrum. Es ist ja nicht binär. Du hast ihn oder du hast ihn nicht.
Ich würde sagen, wir haben ihn mehr als früher auf jeden Fall. Haben wir ihn fully locked in. Es gibt ja von Andreessen Horowitz, diesem legendären US-Risikokapitalgeber, gibt es so eine Beschreibung von Product-Market-Fit.
Draußen campen die Journalisten, Journalistinnen. Die VCs klopfen an der einen Tür. Die Kunden rennen dir die Bude ein.
Du kommst gar nicht mehr hinterher. So sieht es jetzt bei uns nicht aus. Auf der anderen Seite haben wir, glaube ich, jetzt ein sehr scharfes Verständnis dafür.
Wem können wir helfen? Das sind eben Firmen aus dem gehobenen Mittelstand und den Konzernen in der DACH-Region. Also ein paar tausend Mitarbeitenden, die jetzt gerade in der KI-Transformation so realisieren, dass sie ihre Führungskräfte eben unterstützen müssen.
Und für die quasi so ein sehr spezielles Angebot zu haben, das hilft uns auf jeden Fall total. Dadurch, dass der Markt so sehr in Bewegung ist, würde ich jetzt aber nicht sagen, so wir haben da die Weisheit mit Löffeln gefressen und haben das perfekt herausgefunden. Das wäre, glaube ich, irgendwie vermessen.
Aber so, ja, auch ich spüre so mit dieser Schärfe gewinnen wir natürlich ein ganz anderes Profil auch im Markt. Und den Weg wollen wir weitergehen. Du, eine ganz kleine Anzahl.
Wir machen ja große Mandate. Also es wird so ein knappes Dutzend an Live-Mandaten sein. Die meisten haben ja sechsstellige Verträge oder gar siebenstellige Verträge mit uns.
Von dem her sind wir schon sehr fokussiert auf Einzelmandate und haben da jetzt nicht so eine Breite an verschiedenen Klienten wie früher. Als wir mit den Startups angefangen sind, wir haben nach sechs Monaten 100 Kunden gehabt. Manche Kunden haben da 5000 Euro bezahlt.
Mit denen konnte man nicht weiter wachsen. Aber das ist so der große Unterschied jetzt natürlich auch an dem Modell.
Thomas Kohler:
Du brauchst eine andere Organisation, oder? Die muss man jetzt auch anders führen und anders lenken als vorher.
Marius Hepp Kemper:
Komplett. Und auch so unser Marketing- und Vertriebsgame ist ein völlig anderes. Ich versuche das Schritt für Schritt für mich jetzt auch noch rauszufinden, was Sinn macht.
Ich finde es total cool und es ist auch etwas, woran ich total Spaß habe, ist einfach Leute zusammenzubringen. Du machst das ja seit langem auch schon erfolgreich mit deinen Dinnerserien. Wir machen jetzt vier Jahre KI- und Leadership-Dinner in vier verschiedenen Städten und bringen da verschiedene HR-Führungskräfte zusammen.
Wir experimentieren auch viel mit LinkedIn gerade und gehen gezielt auf Firmen zu, produzieren da interessanten Content für die und gehen in den Outreach, wo wir glauben, dass das Sinn machen kann und tasten uns so Schritt für Schritt so ein bisschen vor. Aber es ist ein völlig anderes Spiel als früher in den Startups.
Thomas Kohler:
Wahnsinn. Und was treibt dich an?
Marius Hepp Kemper:
Wow. Auch das verändert sich ein bisschen. Also ich würde sagen, ich habe eine ganz tiefe schon intrinsische Motivation für den Markt.
Sonst würde ich nicht Learning & Development machen. Es ist echt ein taffer Markt und es gibt glaube ich Kategorien, dass du…
Thomas Kohler:
Aber der Budget ist auch nicht so groß.
Marius Hepp Kemper:
Ja, taffer Budget ist immer schwierig. …schwierig einem CFO zu erklären, was jetzt wirklich ganz genau der ROI ist. Und ich glaube, da gibt es tausend AI-Opportunities da draußen, wo man gerade Software bauen kann, die schneller Geld bringt.
Aber was mich da antreibt, ist schon dieser menschliche Part. Meine Frau ist Psychotherapeutin. Wenn wir auf der Couch zu Hause sitzen, wir unterhalten uns viel über so, was geht eigentlich in uns Menschen vor?
Und sie macht das halt mit ihren Patienten und Patientinnen. Ich mache das mit Organisationen, witzel ich immer so ein bisschen. Und das ist schon meine Leidenschaft.
Aber ganz ehrlich, so jetzt mit, ich habe gerade gesagt, wird jetzt 33 und auch so dem Thema Familie, was dann irgendwann in den nächsten Jahren vielleicht relevant wird, merke ich auch, hey, mir geht es auch darum, einfach nachhaltig was aufzubauen. Ich habe Spaß daran, mit coolen Leuten im Team, denen irgendwie einen sicheren Job zu geben, eine stabile Firma aufzubauen, so für meine Familie potenziell in der Zukunft irgendwie eine Absicherung zu schaffen. Das ist interessant, dass auf einmal so ein bisschen konservativere Werte da in mir wach werden, wo ich früher vielleicht noch so viel mehr nach so äußerer Anerkennung oder so das nächste große Ding drehen geprägt hatte.
Also da hat sich auch irgendwie was gedreht.
Thomas Kohler:
Und würdest du den Hörerinnen und Hörern noch was mitgeben wollen?
Marius Hepp Kemper:
Ja, also ich glaube, so die eine Frage, die ich denjenigen, die gerade auch in ihrer Organisation sitzen und dabei sind, jetzt KI auszurollen, sei das irgendwie Copalot oder Gemini, seien das spezifische KI-Tools in ihren Teams, so ich würde wirklich, der Rat, den ich geben würde, ist, unterschätzt den Human Factor. Wir sitzen ja im Human Factor Podcast auch. Unterschätzt den nicht.
Es ist der Human Factor nicht ohne Grund. Eine Transformation scheitert nicht an der Technologie, sie scheitert an den Menschen. Und egal, ob das dann mit einem Partner wie Junto ist, ob man das Inhouse aufbaut, ob das Workshop-Serien sind, ob das wirklich so diese ganzheitlichen Befähigungsprogramme sind, wie wir sie machen, die die Leute da von A bis Z mitnehmen.
Schaut, dass ihr die Leute nicht verliert auf dem Wandel und guckt auf die Führungskräfte, weil am Ende, wenn deine Chefin, dein Chef, keine KI nutzt, hast du es als Mitarbeiter eben auch nicht. Und ja, da wird der Fokus, glaube ich, liegen in den nächsten Jahren.
Thomas Kohler:
Danke, Marius, das war’s. Hat mich sehr gefreut und ich freue mich jetzt später aufs Dinner.
Marius Hepp Kemper:
Vielen Dank, Thomas, für die Einladung. Spaß gemacht.