The People Factor Podcast | Episode #139

Unternehmerherz trifft Private Equity mit Dr. Sascha Haggenmüller

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Mitwirkende
Thomas Kohler

Gründer & CEO

Dr. Sascha Haggenmüller

Mitbegründer & Geschäftsführer

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Dr. Sascha Haggenmüller ist Co-Founder und Managing Director der Radial Consulting Group. Als promovierter Betriebswirt, US Certified Public Accountant (CPA) und zertifizierter Business Coach verbindet er Finance-Expertise mit Leadership- und Transformationsthemen. Nach vielen Jahren in führenden Positionen bei Deloitte, EY und Porsche Consulting begleitet er heute Unternehmen und Investoren bei Transaktionen, Restrukturierungen und der Weiterentwicklung ihrer Finanzorganisationen. In seinem eigenen Podcast spricht er regelmäßig mit Unternehmerinnen und Unternehmern über die Menschen hinter erfolgreichen Unternehmen.
Wir sprechen über:
  • Die Gründung von Radial & People-Perspektive bei PE-Deals
  • Einstieg im Handwerk & Investment in Fahngold
  • Unternehmertum als Lebenseinstellung & Bauchgefühl

Thomas Kohler:
Hi Sascha, freut mich, dass wir endlich hier sitzen im Podcast hier im Studio. Das ist die zweite Episode, die wir im Studio machen. Da werden wir jetzt auch noch mal mehr machen und ich freue mich, dass du der zweite Gast bist.

Aber bevor wir loslegen, heute haben wir viele interessante Themen. Einmal wie du Firmen aufbaust, wie du darauf schaust von einer Private-Equity-Perspektive, aber auch von einer People-Perspektive, weil du bist jemand, der in dem Bereich sehr nah dran bist, sehr viel siehst und aber auch selber eine Firma erfolgreich aufgebaut hast und weiter skalierst. Das ist sehr, sehr unique. Deshalb möchte ich gerne mal was zu dir erfahren vorher.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Vielen Dank erstmal, dass ich hier sein darf. Eine große Ehre, die zweite Episode hier mitgestalten zu dürfen. Druck ist hoch.

Thomas Kohler:
Damit kannst du gut umgehen, habe ich gehört.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Das klappt ganz gut. Genau zu mir.

Sascha, 36 mittlerweile, habe 2012 bei EY angefangen zu arbeiten. Nach dem Bachelor-Studium damals wusste ich nicht, was ich machen soll, habe aber Zahlen irgendwie gern gemocht und konnte auch mit Buchhaltung und Zeug was anfangen und bin dann in die Wirtschaftsprüfung gegangen. Der Vorteil ist da so ein bisschen, man lernt halt so das Grundhandwerkszeug ein bisschen.

Wie liest man Bilanzen, was steht in der Gewinn- und Verlustrechnung, wie hängt da eine Cashflow-Rechnung hintendran, wie sieht so ein Jahresabschluss aus, was gehört in den Lagebericht rein, was sind so die Fallstricke, dann im Konzernabschluss, in der Konsolidierung, Sonderthemen, M&A, Purchase Price Allocations. Das ist einfach eine tolle Schule, die da stattgefunden hat. Ich habe parallel meinen Master damals gemacht und irgendwann wird es dann so ein bisschen langweilig, wenn ein Unternehmer Herz in einem schlägt oder auch wenn ein Gestalter Herz in einem schlägt und dann bin ich einmal auf die grüne Seite gewechselt zu Deloitte, habe dann Restrukturierung und Transaktionsberatung gemacht ab 2016, da viele Krisenunternehmen begleitet, also viele Projekte erlebt, wo einem üblicherweise nicht der rote Teppich ausgerollt wird, wenn man da als Berater dann auf den Hof fährt, also die klassischen IDWS-6-Gutachten nennt sich das, also Sanierungsgutachten, Restrukturierungskonzepte erstellt, unterschiedlichste Branchen, unterschiedlichste Unternehmensgrößen, Financial Intelligence-Projekte gemacht im Rahmen von Transaktionen, also erstmalig auch mit den Zahlen dann gearbeitet, viel Financial Modelling, Unternehmensbewertung hoch und runter, war eine tolle Zeit, hat tolle Vorgesetzte, auch unterschiedlichste Typen von Vorgesetzten, also ich hatte mal einen Vorgesetzten, der war davor bei Bain, der hat entsprechend die Peitsche rausgeholt, wenn es um gute Folien ging, dann hatte ich jemanden, der war ein klassischer Finanzler, da hat man dann quasi so das ganze Finance-Thema gut gelernt und dann hatte ich noch jemanden, der eher Operations-orientiert war, das heißt man hat auch so ein bisschen zumindest als Zahlen-Jongleur in die Operations von Unternehmen reinschauen dürfen, parallel noch meine Doktorarbeit geschrieben im Bereich Finance und irgendwann 2021 wurden die internen Stimmen dann laut, dass man jetzt was eigenes machen möchte, da hat sich dann das Unternehmerherz irgendwie durchgesetzt.

Thomas Kohler:
Da würde ich kurz nochmal Stopp machen, weil ich habe auch im Vorfeld mit ein, zwei Leuten gesprochen, ich kenne ja auch deinen Co-Founder sehr gut, ist mein Nachbar, darüber haben wir uns auch kennen gelernt und parallel über die Caro, was auch deine Schwester ist und bei uns bei VipLies arbeitet, super Zufall, das war alles gleichzeitig und ich habe auch einmal im Vorfeld mit einer Frau telefoniert und die hat auch gesagt, wenn du jetzt den Sascha Kurz beschreiben würdest, vielleicht einen Satz, was irgendwie prägnant ist, dann hat sie nicht gezogen und gesagt, ja geht nicht, gibt es nicht. Das klingt ja auch schon mal so, du hast ja voll durchgezogen im Studium bis zum Doktor, dann in der Beratung, das ist ja auch intensiv, was hat dich denn geprägt, dass du so durchziehst?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ich glaube, das hat mehrere Facetten, ich habe mich auch viel mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und gehe da sehr, sehr tief tatsächlich rein. Ich bin auch immer im Coaching und so, also wenn ich gefragt werde nach dem besten Investment meines Lebens, dann war das das externe Coaching, also nichts anderes, keine Immobilie, kein Unternehmen, wirklich das Thema und ich sage mal so, ich hatte eine nicht so leichte Kindheit glaube ich und habe viele Jahre versucht, ein Loch oder eine Leere in mir zu füllen mit Erfolg. Ich glaube, es geht vielen Leuten am Ende so, also ich gucke jetzt manchmal auch auf die Zeit zurück und denke mir dann, wolltest du das wirklich oder was hat dich da eigentlich geritten, weil es fühlt sich teilweise heute im Nachhinein so an, als hätte das jemand für mich gemacht in mir drin, also es war teilweise gar nicht so meine eigene Stimme und ich glaube, das ist einfach so eine der Fallen, in die man reinlaufen kann. Manche nehmen Drogen, manche saufen und manche versuchen es halt mit viel Drive und Erfolg irgendwie zu kompensieren, weil man dann faktisch halt abgelenkt ist von dem, was man vielleicht nicht spüren oder fühlen möchte.

Also das ist die ganz persönliche Antwort glaube ich auf das Thema und andererseits bin ich schon noch einer, der ein Sensation Seeker ist, vielleicht auch deswegen, ich weiß es nicht, und sich mit Normalität nicht so richtig identifizieren kann. Also wenn ich an so ein normales Leben denke, ohne da jetzt jemandem zu nahe zutreten zu wollen, dass ich mir ein Haus finanziere, mir zwei VW Passat vor die Tür stelle und dann irgendwie, keine Ahnung, warte, bis ich in Rente gehe, das war noch nie so meins und ich konnte mich damit auch nie so richtig identifizieren und habe dann immer so versucht, glaube ich, unterbewusst einen eigenen Weg einzuschlagen und irgendwann kam dann, ich habe dann auch während dem Job schon damals immer versucht, das nebenher zu machen. Also ich habe dann, was weiß ich, hatte ich mal zwei Monate frei, dann habe ich nur Immokation-Videos geguckt und habe mir beigebracht, wie man in Immobilien investiert. Dann bin ich nebenberuflich Dozent geworden.

Ich habe früher als Schüler habe ich Wasserpfeifen und Tabak in der Schule verkauft und so Sachen. Also ich habe immer irgendwas nebenher gemacht, weil mich das einfach fasziniert, so from scratch was aufzubauen. Also ich glaube, der Ur-Driver ist diese persönliche Geschichte, aber es ist schon auch viel Kreativität.

Thomas Kohler:
Und da hast du ja über Coaching gesprochen. Was war das für ein Coaching? Weil ich glaube, viele haben irgendeine, irgendein Spike in sich, nenne ich es jetzt mal, den man vielleicht unterbewusst hat, aber sich nicht bewusst ist, woher das vielleicht kommt oder was das auch ist.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ja, deswegen bin ich zum Coaching gegangen tatsächlich.

Thomas Kohler:
Aber wie hat das Coaching ausgesehen? Das ist, glaube ich, interessant für viele.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ja, das war ein ganz klassisches Persönlichkeits-Life-Coaching, würde ich es mal nennen, mit einem Psychotherapeuten, der einem dann einfach bei vielen Fragen hilft, die Hintergründe zu verstehen. Und ich glaube, der erste Gang dahin ist irgendwo schwierig und auch die erste Session, die verläuft noch nicht so, wie man sich das vorstellt. Aber dann einfach über Fragen zu lernen, sich selber zu hinterfragen, das habe ich so 2021 begonnen, ist eine der besten Entscheidungen, die man, glaube ich, treffen kann.

Und das heißt nicht, ist jemand psychisch krank oder ist jemand psychisch gesund? Ich glaube, 100 Prozent psychisch gesund gibt es nicht und 100 Prozent psychisch krank gibt es auch nicht. Es gibt viele Facetten dazwischen und ich glaube, jeder kann daher von sowas profitieren, wo man die eigenen persönlichen Treiber und so weiter identifiziert und dann besser versteht.

Thomas Kohler:
Okay, und dann hat es dich bejuckt, dann war Beratung nichts mehr und dann wolltest du es selber machen. Wie kam es dazu?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Genau, Angestellt sein war nichts mehr, würde ich korrigieren. Also Beratung fand ich immer cool, fand ich einen wahnsinnig lehrreichen und auch rewardingen Beruf, weil du ja das Privileg hast, in wahnsinnig jungen Jahren wahnsinnig viele Unternehmen zu sehen, Probleme von Unternehmen zu sehen, Chancen in Unternehmen zu sehen, viele Führungskräfte kennenzulernen und mit denen zu arbeiten, das hast du in einem anderen Beruf nicht. Und deswegen konnte ich mir jetzt auch nicht vorstellen, irgendwie mal in eine Corporate oder so zu gehen, wo du dann irgendwie Head of Controlling oder sowas wirst.

Aber das unternehmerische Herz in mir, das hat immer drin geschlagen. Ich bin damals im Allgäu schon immer an der Autobahn entlang gefahren und habe so die Unternehmen an der Autobahn entlang betrachtet und dachte mir mal, wer hat das mal gebaut? Mit was ging das los?

Was war die Idee dahinter? Also es hat schon immer irgendwo, glaube ich, interessiert. Ja, und dann machst du es halt oder machst du es nicht.

Und bin dann damals im Januar, Februar war das 2021 auf meinem Mitgründer Wolf zugegangen, haben uns dann in Frankfurt getroffen, bei ihm daheim, haben ein paar Bier zu viel getrunken und sind dann entsprechend am nächsten Tag etwas gerädert aufgestanden. Und ich kann es nicht mehr ganz rekonstruieren, aber dann ist es mir wohl irgendwie so rausgerutscht so nach dem Motto, wir müssen jetzt einfach mal eine eigene Firma gründen. Das bringt so alles nichts.

Und das hat sich dann auch bewahrheitet. Und wir haben dann eigentlich ab dem Wochenende, das war wie gesagt zu Februar 2021 müsste es gewesen sein, angefangen radial zu konzipieren.

Thomas Kohler:
Und was ist radial jetzt?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Wir sind eine Tech-getriebene Finance-Boutique, wie wir es immer nennen. Wir sind jetzt ungefähr 35 Mitarbeiter. Die kommen von Deloitte, von EY, von dem ganzen Big Four, Roland Berger, also klassische Beraterprofile.

Aber wir haben eben auch Daten-Ingenieure und KI-Ingenieure im Team, die dann auch die technischen Themen in der Finance-Welt umsetzen können. Das ist auch unser USP. Das heißt, wir bringen die Fachkompetenz aus Transaktionen, Restrukturierung, Finance mit und kombinieren die aber mit einer technischen Komponente, mit KI und Data Analytics, Data Warehouses etc. pp. und unterstützen so eigentlich Private Equity Investoren und deren Portfolio Unternehmen bei allen Finance- und Transformationsbezogenen Themen. Das geht los mit Financial and Tax Due Diligence im Rahmen des Ankaufs.

Das geht weiter mit Reporting und Controlling Automatisierung in der Halteperiode, waren viel im Bereich Value Creation. Und dann auch wiederum Exit-Vorbereitung, also die Braut sozusagen nochmal hübsch machen vor dem Verkauf, einen konsistenten Datenwürfel bauen, der alle Informationen für einen potenziellen Käufer enthält und der sich auch automatisch aktualisiert, damit man dann möglichst gut und vertrauensvoll verkaufen kann.

Thomas Kohler:
Okay, da gibt es ja dann die finanzielle Perspektive, mir ist noch die Datenperspektive, aber es gibt ja auch diese People-Komponente. Und ich habe auch viele HR, Talent Acquisition-Hörerinnen und Hörer. Worauf achtet ihr erstmal im Aufbau eurer Firma, dass ihr einfach gut aufgestellt seid.

Und dann aber auch, wenn ihr zum Beispiel Private Equity Investoren begleitet von Transaktion 1 zu Value Creation zu Transaktion 2. Aus einer finanziellen, aber auch aus einer People-Sicht. Weil, ich gebe dir nochmal den Kontext, ich finde leider haben viel zu viele Leute in einer People HR Talent Acquisition Rolle einfach kein Verständnis, wie Unternehmen finanziell funktionieren, wie Budgets funktionieren, worauf man achtet.

Und B, haben die dadurch keinen Zugang. Und dann ist das halt so ein Teufelskreislauf, dass du halt in der Funktion, wenn du nicht weißt, wie du dir diesen, man würde immer von Seat at the table sprechen, wie du dir den quasi selber erarbeitest, indem du halt die richtige Perspektive einnimmst und dann aber auch auf einer von mir als Unternehmensinhaber oder Senior Leadership Perspektive oder auch, was wollen Shareholder außen an einer Firma haben, dass man das in die Gedanken oder in die Kommunikation und in die Arbeitsweise reinbringt, das können viele nicht. Wie schaust du drauf?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Das ist eine sehr komplexe Frage tatsächlich. Also wir haben auf dem Weg auch wieder Leute gehen lassen müssen, weil unser eigener Recruiting Prozess selbstkritisch betrachtet nicht ausgereift war und weil du als junger Unternehmer dann glaube ich selber teilweise noch nicht so weit bist, dass du überhaupt verstehst, was dein Unternehmen eigentlich braucht. Also da auch selbstkritisch betrachtet, glaube ich, ist es eine, sagen wir, Evolutionsarbeit, die da stattfindet und die auch notwendig war.

Wir haben jetzt einen Prozess, vielleicht ganz kurz, der drei Stufen umfasst. Wir machen so ein Personal-Fit-Interview mit dem Team, also mit unserem Team. Wir machen eine Case Study, sehr, sehr detailliert, was auch das Team macht und dann machen wir quasi sozusagen den Recall mit den Co-Foundern, mit Wolf und mir, wo wir nochmal sagen, okay, das passt oder das passt nicht.

Sag jetzt mal nicht jetzt für Senior Manager aufwärts, wo wir natürlich schon früher involviert sind. Worauf achten wir? Wir haben gewisse Hygienefaktoren, die man bei uns in der Branche einfach braucht.

Also ich sage jetzt mal, du musst irgendwo wissen, wie man ein integriertes Finanzmodell baut. Du musst Accounting verstehen, du musst Finance verstehen, Corporate Finance verstehen. Das heißt, wenn das nicht gegeben ist, dann kann ich die Person nicht einstellen, weil dann weder die Person was davon hat, noch habe ich was davon.

Also wir gucken in den Profilen sehr, sehr stark auf die Vergangenheit der Leute, was eben Erfahrungsschatz im Bereich Financial Diligence, im Bereich Unternehmensbewertung, im Bereich Restrukturierung, wie auch immer, anbelangt. Das sind natürlich Profile aus Big-Four-Unternehmen, Next-Ten in den Bereichen sehr, sehr vorteilhaft oder zumeist ist dann der Hygienefaktor erfüllt. So jetzt ist aber der Hygienefaktor, finde ich, nur ein kleiner Teil der Gleichung und wo wir tatsächlich merken, wo sich die Spreu vom Weizen brutal trennt, ist das Thema Ownership bei Leuten.

Also vielleicht ist das auch eine Art intrinsische Motivation, vielleicht kann man es damit umschreiben oder ein eigener Anspruch an sich und seine Arbeit oder sonst irgendwas. Ich kann das auch manchmal nicht richtig greifen, aber einfach diese Ownership zu sagen, ich gebe alles, was ich kann, bestmöglich und ich gehe auch mal die Extrameile. Wenn ich für mich entscheide, dass ich jetzt die Extrameile gehen muss und das Ganze nicht fremdinduziert tue.

So und das versuchen wir in den Interviews rauszufinden, ob Leute entsprechend so ticken. Finde ich gar nicht so einfach, würde mir ja deine Meinung dazu interessieren, wie man das Thema Ownership in Interviews vielleicht besser abgefragt kriegt. Aber darauf achten wir ganz besonders und das sind auch die Leute, die dann tatsächlich die Spreu vom Weizen am Ende trennen.

Also die, die wirklich die Themen in die Hand nehmen. Die sagen, das ist auch mein Projekt, das ist auch mein Produkt, was ich hier abliefer. Nur weil jetzt am Ende noch mal jemand über die Unterlage drüber schaut, heißt es nicht, dass ich einen Mist abliefere.

Und so diese, ich würde es fast ketzerisch ein bisschen sagen, die typische Arbeitnehmer-Einstellung, die suchen wir eigentlich nicht, sondern wir suchen die Leute, die eben mit mitdenken, mitgehen und das Beste geben wollen und für sich eigenverantwortlich entscheiden, wann sie jetzt Überstunden machen oder nicht oder wie auch immer, weil sie es einfach für richtig erachten.

Thomas Kohler:
Und wenn du jetzt zum Beispiel auf eine Transaktion schaust, ihr unterstützt ja in welchen Bereichen genau. Angenommen, nehmen wir einfach ein Beispiel, wo irgendein PE in irgendeine Firma, ich muss keinen Namen nennen, aber einfach nur ein Beispiel, investiert. Was ist da genau euer Part und wo kommen so die Financial Komponente und auch diese People Komponente zusammen?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ja, also nehmen wir ein einfaches Beispiel. Software-Investor kauft ein ehemalig inhabergeführtes Unternehmen für einen Betrag X. Das heißt, der ehemalige Founder hat dann hoffentlich ein auskömmliches Leben.

In der Regel ist es aber so, dass die sich ja noch mal rückbeteiligen an dem neuen Vehikel.

Thomas Kohler:
Da haben wir mal 100 Millionen Euro Kaufpreis.

Dr. Sascha Haggenmüller:
So, genau, dann wäre es schon geil natürlich. Dann beteiligt er sich vielleicht mit einem Teil des Kaufpreises noch mal rück, quasi an dem neuen Vehikel. Hat dann noch mal Anteile, das können dann, was weiß ich, 10, 20, 30 Prozent sein, die er dann quasi noch mal neu sozusagen erwirbt.

Und dann bleibt er vielleicht noch drei, vier Jahre mit an Bord. Die Gründer sind jetzt zumeist Unternehmer, logischerweise. Also sie sind immer Unternehmer, nicht zumeist, sind immer Unternehmer.

Und Unternehmer haben einen eigenen Weg, den die entsprechend gehen. Und viele Unternehmer sind jetzt ja auch keine Kaufmänner von, sage ich mal, ihrer Rolle her, sondern Leute, die vom Produkt her kommen. Das heißt, wenn jetzt jemand irgendwann mal eine Schnapsbrennerei eröffnet hat, dann ist er wahrscheinlich irgendwie in dem Bereich fit.

Wenn jetzt jemand ein Softwareunternehmen verkauft, dann hat er wahrscheinlich irgendwie eine Idee gehabt für eine bestimmte Software. Und dann kommt jetzt so ein Investor mit an Bord und dann ändern sich die Zeiten natürlich. Davor hattest du so deinen Steuerberater, der macht für dich einmal im Monat die Financials.

Und ob die dann am 25. des Folgemonats oder am 15. des übernächsten Monats fertig sind, ist eigentlich auf gut Deutsch scheißegal.

Cash Accounting ist dann auch Standard. Thema Abgrenzung oder solche Sachen wird halt einfach nicht erfasst im Monatsabschluss. Das wird dann einmal zum Jahresende gemacht.

Da ist gerade im Softwarebereich so die im Voraus vereinnahmten Lizenzeinnahmen, die eigentlich noch kein Umsatz sind, immer so ein Thema. Also passive Rechnungsabgrenzung, die man sich da angucken muss. Und das haben die halt alles nicht gemacht.

Und dann sagt der Investor vielleicht noch, wir brauchen jetzt schon noch ein Head of Finance oder ein CFO oder sowas an deiner Seite zusätzlich. Und da gehen die People-Themen dann schon sehr, sehr spannend oft los, weil du hast dann nach dem Notartermin oft so die Honeymoon-Phase, wie man sie schön nennt. Alle haben sich lieb und es ist cool und Aufbruchsstimmung und so weiter.

Und dann geht es halt los. Wir brauchen monatlichen Bankenreporting, wir brauchen monatlichen Shareholder-Reporting. Wir wollen auf die Softwareerlöse einen Snowball sehen.

Also wie viel Upsell, Downsell, Churn, New Business haben wir? Mit welchen Kundenkohorten, mit welchen Produktkohorten? Wie ist vielleicht auch ein Subscription-Shift von Lizenzen zu einem SaaS-Modell und so weiter und so fort zu verorten?

Also diese ganzen analytischen Themen. Und da geht es dann meistens so ein bisschen los, weil der Unternehmer halt Unternehmer sein will und der PE halt Analytiker ist und das sich dann wahnsinnig beißt. Und ich glaube, da ist extrem viel.

Das setzt eine Organisation teilweise extrem unter Druck, bis hin, dass sozusagen eine Paralyse fast manchmal stattfindet, weil dann Leute, die originär keine Analytiker sind, nicht weil sie es nicht können, sondern weil sie einfach einen anderen Fokus haben, mit analytischen Aufgaben betraut werden. Sprich der Gründer, der vielleicht vorher Vertrieb und Marketing gemacht hat und die Rampensau für das Business war, muss jetzt auf einmal den PE drei Wochen von vier Wochen im Monat mit irgendwelchen Analysen versorgen und dann bricht das Tagesgeschäft auch oft extrem ein, wo sich dann wiederum der Investor wundert, wieso kommt jetzt das Current Trading nicht, wie wir es im Budget vorgesehen hatten etc. pp. Also da treffen dann einfach zwei so Welten aufeinander, die sich glaube ich gegenseitig ein bisschen paralysieren und wo die Organisation dann nicht richtig weiterkommt.

Thomas Kohler:
Was passiert oft mit Hiring, wenn so eine Transaktion stark gefunden ist und dann muss man in die Value Creation Phase reingehen? Da muss man ja aus 100 Millionen in fünf Jahren oder drei Jahren 300 Millionen machen.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Hiring ist auch ein Riesenthema, weil die Challenge ist, gute Leute zu finden. Also der Klassiker ist tatsächlich der CFO. Wir schreiben auch gerade eine Studie, Winning the Value Creation Game, wo wir mit 100 Private Equity Investoren gesprochen haben, wo es auch im Hiring schwierig ist und das ist zumeist tatsächlich im Finanzbereich, im CFO-Bereich, weil sich die Rollen auch extrem ändern.

Also ein CFO war jetzt vor 20 Jahren irgendwie einer, der die Accounting Standards hoch und runter beten konnte und irgendwie fachlich das alles gut machen konnte und ein Prozessdenker war. Die Skills brauchst du heute auch, aber ich glaube manchmal, dass gerade die Private Equity Investoren dann oft zu sehr auf Erfahrung auch schauen und nicht wirklich auf diese Hardskills, die so ein CFO heute braucht. Also ein CFO heute ist ja ein strategischer Partner für den CEO, kann man faktisch sagen.

Das heißt, er bereitet datenbasiert potenzielle Entscheidungen und Wege vor, die man zukünftig einschlagen möchte. Wenn der jetzt aber nicht irgendwie konkret Data Warehouse orientiert denkt oder Data Analytics orientiert denkt oder weiß, dass vielleicht ein ERP viel zu teuer ist im Vergleich zu einer Business Intelligence Schicht, die ich über heterogene Datenquellen drüber stülpen kann, dann läuft er im Zweifel in die falsche Richtung. Also Erfahrung an sich kann heutzutage meines Erachtens auch falsch sein.

Jetzt sage ich das vielleicht auch ein bisschen biased, weil ich selber noch nicht so alt bin. Erfahrung hilft immer, da brauchen wir nicht drüber reden. Aber ich glaube, die Erfahrung von vor 20 Jahren ist heute im KI-Zeitalter und im Zeitalter von Business Intelligence nicht mehr so viel wert.

Und ich glaube, da sind dann auch manchmal die Challenges im Hiring. Welche Anforderungen stelle ich und welche Anforderungen stelle ich auf Basis meiner eigenen Erwartung oder Erfahrung versus was ist eigentlich die Anforderung heutzutage wirklich? Wie groß ist Radial jetzt?

Wir sind jetzt so 35 Leute, wachsen aber relativ stark. Also wir wollen bis Jahresende 50 Leute sein. Wir sitzen ja in München, bauen jetzt gerade einen Tech und AI Hub in Indien auf und expandieren jetzt gerade noch in die USA.

Das kommt jetzt ein bisschen darauf an, wie schnell gehen die Dinge voran. Aber 50 Leute Ende 2026 wäre unser Ziel.

Thomas Kohler:
Ihr seid ja auch sehr profitabel immer unterwegs. Alles eigenfinanziert von Tag eins und alles aus dem eigenen Cashflow finanziert. Was ist daran oder was ist wichtig, um das zu schaffen?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Du brauchst ein Geschäftsmodell, was funktioniert, glaube ich. Beratung kann funktionieren, glaube ich, wenn man es gut macht. Und die ist natürlich auch Asset Light, muss man fairerweise sagen.

Also ich muss ja manchmal immer ein bisschen schmunzeln, weil damals, als ich gegründet habe, kamen viele Leute auf mich zu und meinten, das wird sowieso nicht funktionieren und du wirst erklärlich scheitern und blablabla. Heute, nachdem es jetzt glücklicherweise, hoffe ich, funktioniert hat, sagen die Leute, Beratung zu gründen ist ja auch ganz einfach, weil du brauchst ja kein Bankdarlehen oder so. Du kannst einfach loslegen.

Also es ist immer einfach. Klar, wissen wir alle. Am Ende sage ich aber trotzdem, klar, es ist Asset Light.

Du brauchst im Prinzip, Wolf und ich haben mit zwei Laptops angefangen, haben ein paar Office-Lizenzen gekauft, haben damals eine ERP-Lizenz gekauft, haben die ersten Prozesse selber aufgebaut und haben dann quasi mit einer relativ überschaubaren Kostenbasis angefangen, Projekte zu machen. Und dann kannst du zu zweit schon mal schnell einen mittleren fünfstelligen Betrag Umsatz im Monat auch machen mit einer Kostenbasis von ein paar tausend Euro.

Thomas Kohler:
50.000 Euro im Monat locker und dann halt eure Selbstkosten und ein bisschen so.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Du musst halt einen kalkulatorischen Unternehmerlohn noch einrechnen, theoretisch. Aber wenn du jetzt die harten Kosten nimmst, dann geht da jetzt gerade in den ersten Wochen, Monaten natürlich nicht gut ab.

Thomas Kohler:
Der Switch ist ja dann nicht so einfach zu sagen und jetzt stelle ich jemanden ein und jetzt muss die Qualität genauso sein, die Preise müssen genauso sein, die Marge geht mal runter. Du hast aber trotzdem irgendwo ein Risiko ausgeliefert, weil die machen ja nicht genau das, was ihr jetzt gemacht habt und wie ihr es gemacht habt, aber die Erwartung von den Kunden ist dieselbe oder die steigt sogar mit der Zeit. Wie habt ihr den Switch hinbekommen?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ne, absolut. Ich glaube, wir haben immer mutig entschieden im Nachhinein. Das muss ich uns schon glaube ich zuschreiben.

Sprich, wir hatten dann auch damals die Gelegenheit nach zwei Wochen offiziellem Start am 1.4.2022 einen erfahrenen Berater einzustellen, den wir auch mit 90.000 Euro Fixgehalt dann entsprechend vergütet haben. Und wenn du dann weißt, jetzt gehen von deinem eigenen Geld faktisch, was du ja verdienen könntest, natürlich kannst du den auch auslasten und die Betonung liegt auf kann. Also es kann auch sein, dass er nicht ausgelastet ist.

Das Risiko musst du dann schon eingehen. Zahle ich dem jetzt die 7,5 mal 1,2 Arbeitgeberanteil im Monat, bis beim 10er im Monat, der weg ist und du weißt ja nicht, ist er ausgelastet oder nicht. Wir wussten es damals zu dem Zeitpunkt auch noch nicht, ist er ausgelastet oder nicht.

Aber wir wollten halt wachsen und haben den halt entsprechend eingestellt und dann fängt halt dieses Konstrukt zu wachsen an. Und weil du das Thema Qualität angesprochen hast, du lernst ja auch selber wahnsinnig dazu. Also wenn ich unsere ersten Projekte anschaue und jetzt viereinhalb Jahre fast vorwärts schaue, wo wir jetzt unterwegs sind von den Inhalten, von der Qualität her, da will ich fast gar nicht zurückdenken, was wir da am Anfang eigentlich gemacht haben.

Thomas Kohler:
Was ist der Unterschied zwischen Qualität und Qualität?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Also wir machen heute viel, viel mehr Tech-enabled Themen, also was Data Warehouses angeht, was Prozessautomatisierung angeht, was BI-Themen angeht, was auch KI-basierte Reporting und Controlling-Strukturen angeht. Also diese technische Tiefe und auch die fachliche Tiefe, die wir heutzutage haben, auch das Know-how einfach, wie denkt ein Investor, wie funktioniert so ein Deal, was sind da die verschiedenen Schritte. Da sind wir natürlich so viel tiefer drin, als wir das vor viereinhalb Jahren noch waren, mit auch so viel besseren Leuten, weil unser eigener Anspruch natürlich kontinuierlich gewachsen ist und wir deshalb auch Leute, die eben diesem Anspruch nicht mehr gerecht wurden, auch, sage ich mal, wieder entlassen mussten dann und auch selbstkritisch sagen mussten, hey, da haben wir nicht genau hingeguckt. Aber das ist einfach massivst gestiegen, was Anforderungen, Qualität etc. in allen Bereichen angeht.

Also das ist schon krass, wenn man da jetzt zurückschaut.

Thomas Kohler:
Und du hast ja, also ihr seid jetzt bei 35 Leuten ungefähr, macht ihr Umsatz so vier, fünf Millionen?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ja, also es geht jetzt in Richtung, ich schätze, dass wir jetzt dieses Jahr, wir wissen es nicht genau, weil fünf Jahresplan als junges Unternehmen, das ist am Ende Kaffeesatz lesen. Ich denke schon, dass wir jetzt so die sechs Millionen knacken müssten.

Thomas Kohler:
Sehr stark, für eine Beratung ist das aber auch möglich. Ist jetzt nicht überirdisch, aber ist schon sehr gut. Ja, klar.

Und da so EBIT, so 25 Prozent. Und du hast ja nebenher erst mal eine sehr erfolgreiche Firma aufgebaut, dann schon mal das ganze Studiumthema durchgespielt und dann hast du jetzt nebenher auch noch mal einen Handwerksbetrieb gekauft vor ein paar Jahren schon, oder? Erzähl uns mehr.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Wir waren 2004, nee, wann waren wir? Wir hatten ein Office-Opening, das war 2024 im April. Und dann ist da mein sehr, sehr geschätzter Freund und auch für frühere Die Lloyd-Kollege, der Felix Philbert, haben wir uns so unterhalten und ja, wo man jetzt investieren könnte, wo man rein investieren will und so weiter.

Und dann haben wir halt auch über Immobilien gesprochen, wo ich auch ein bisschen was gemacht habe in der Vergangenheit. Und irgendwie eiert mich das auch ein bisschen an, weil das ist halt langsam und auch oft wenig exciting, wenn du jetzt nicht gerade Projektentwicklung oder sowas machst, wovon ich noch viel weniger Ahnung habe. Und dann meinte der Felix so, ja, eigentlich müssen wir doch Unternehmen kaufen.

Thomas Kohler:
Da habt ihr ja einen unfairen Vorteil, ne?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Genau, weil wir wissen ja, wie das funktioniert. Wir kennen uns da aus. Wir wissen, wie man das bewertet. Wir wissen, wie man eine DD macht. Wir wissen, wie ein LOI aussieht. Wir haben unsere Anwaltsnetzwerke, wir haben unsere Steuerberater. Also wir haben ja das Netzwerk plus das Know-how. Da habe ich gesagt, ja, das stimmt. So ist es.

Und dann haben wir da langsam angefangen, jetzt nicht irgendwie mit Druck oder so, aber schon uns regelmäßig dazu auszutauschen und zu gucken, was wären denn so potenzielle Unternehmen, die man sich da angucken könnte. Und ich bin hauptberuflich kein Investor, sondern baue radial als Beratungsfirma auf. Aber es kam dann opportunistisch.

Ende Oktober 24 war das von einem befreundeten M&A-Berater, Blog-Management, Grüße gehen raus an der Stelle, an den Olli, eben die Laux & Meuras-Gruppe ums Eck, ein mittelständisches Handwerksunternehmen im Bereich Sanitär, Heizung, Klima und technische Gebäudeausrüstung. Und der Olli meinte, die wollen irgendwie nicht so richtig an den Strategen verkaufen und die Marke einfach weglöschen. Und sie wollen aber zugleich auch nicht an den Finanzinvestor im klassischen Sinne verkaufen und dann irgendwie in so einem Private-Equity-Konstrukt drin hängen.

Und dann habe ich nur so flapsig gesagt, ja, wen willst du denn dann verkaufen, weil es gibt ja nur Finanzinvestoren oder strategische Investoren. Und meine mich zu erinnern, dass ich dann irgendwie so flapsig gesagt habe, ja, dann kaufe es halt ich. So, einfach out of the blue.

Und der Olli meinte dann, ja, vielleicht ist gar nicht so eine schlechte Idee. Wir bringen euch mal zusammen. Und dann habe ich eben meinen Co-Investor Felix und Moritz, der auch dabei ist, entsprechend informiert.

Und dann hatten wir da das erste Meeting in Frankfurt mit den Inhabern, mit dem Peter Lauchs und dem Jörg Meuras. Und das hat von Minute eins an einfach ultra gut gewypt auf einer persönlichen Ebene. Und dann hat das so seinen Weg genommen.

Dann haben wir in den nächsten Monaten eben die ganzen Themen vorbereitet, haben uns die Zahlen angeguckt, sind da in die Bütt gegangen, wie man den Deal jetzt strukturieren könnte. Ist ja auch nicht so, dass wir jetzt irgendwie Millionen Eigenkapital auf der Seite haben, sondern da ein bisschen kreativ sein mussten.

Thomas Kohler:
Wie haben Sie das denn finanziert?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Wir haben eine Bankfinanzierung drauf.

Thomas Kohler:
Weil die Firma auch profitabel gelaufen hat?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Genau, die ist profitabel, lief profitabel, ist jetzt noch profitabler. Wir haben eine Bankfinanzierung drauf, wir haben ein Verkäuferdarlehen drauf, wir hatten eine Ausschüttung, die quasi bis zum Minimum Cash required runter den ehemaligen Eingang.

Thomas Kohler:
Der Verkäuferdarlehen ist der Inhaber eigentlich?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Der stundet einen Teil seines Kaufpreises quasi und kriegt einen Zins dafür. Und dieses Verkäuferdarlehen, wenn das von der Laufzeit her länger ist, als das Bankdarlehen und dazu per Definition nachrangig ist, gilt dann für die Bank als wirtschaftliches Eigenkapital. Das heißt, du signalisierst der Bank quasi, der hat immer noch Skin in der Game, der glaubt an das Unternehmen.

Wir glauben an das Unternehmen und dann geht die Bank eben sowas auch mal mit, wenn der Eigenkapitaleinsatz jetzt vielleicht nicht allzu hoch ist. Also man muss natürlich Eigenkapital bringen, aber lang nicht irgendwie in der Höhe, dass du sagst, du musst 30 Prozent Eigenkapital bringen. Aber dann haben wir den ganzen Weg gemacht, haben über einen Finanzierungsberater, den ich sehr schätze, den Markus Fong von Just Finance, auch an der Stelle gehen Grüße raus, dann eine Finanzierung über die Deutsche Bank realisiert, auch mit allem, was dazugehört.

Ich habe glaube am heiligen Abend dann noch das Finanzmodell fertig gebaut und die Businessplanung und so weiter, dass wir das quasi vor den Feiertagen noch rauskriegen und dann hat es so seinen Weg genommen. Dann wurde das finanziert, wir haben uns noch ein, zwei mal getroffen mit den Eigentümern.

Thomas Kohler:
Aber um wie viel geht es da um einen siebenstelligen oder achtstelligen Betrag?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Einkaufspreis meinst du? Siebenstellig, ja mittel siebenstellig. Unternehmen macht es ungefähr 12, 13 Millionen Umsatz.

Jetzt momentan, wir haben jetzt tatsächlich einen Zukauf getätigt, der relativ frisch ist. Also wir werden jetzt in der Gruppe dann auf über 20 Millionen Umsatz kommen. Wir haben noch weitere Targets, die da in Frage kommen.

Und Felix…

Thomas Kohler:
Hast du da nochmal selber nachgelegt oder gab es da nochmal einen Zusatzinvestor, der reingekommen ist?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Es gibt jetzt mittlerweile auch einen zusätzlichen Investor und Geldgeber, der im Hintergrund mit dabei ist. Ist das dann ein echter Finanzinvestor, so ein PE oder auch? Ne, das ist eine Stiftung tatsächlich, die da dabei ist und die fungiert jetzt auch so ein bisschen als zusätzliche Bank, als strategischer Partner und auch eben als Teileigentümer, dass wir eben gewisse Themen einfach schneller angehen können.

Ja, das ist so der Grund hinten dran und auch persönlich passt das einfach.

Thomas Kohler:
Was wäre das Ziel?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Da fragst du mich was. Wir finden, das ist ein ganz ganz tolles Unternehmen. Also auch Thema People, was wir ja hier haben.

Am Ende steht und fällt so ein Deal immer mit den People. Du kannst hier die Zahlen toll machen und schön machen und alles durchautomatisieren, wie du willst. Wenn die Menschen nicht passen, dann kannst du es einfach vergessen.

Und jetzt gerade mit Peter Lauchs, der jetzt eben auch Group CEO ist und Boardmember und der auch das Thema mit uns vorantreibt und ohne den wir das nicht… Wie viele Leute sind da eigentlich? Sind wir jetzt 80, 90, also an die 100 und jetzt kommen durch den Zukauf nochmal so 40 rum dazu und auch ein bisschen weiter wachsen.

Also ich schätze so 150 Groundabout wird es dann wahrscheinlich sein in dem jetzigen Konstrukt, wenn wir das mal alles so hingerichtet haben, wie wir es möchten. Ja, aber wie gesagt, gerade mit Peter zusammen, das ist einfach eine so tolle Zusammenarbeit, dass ich weder ausschließe, das irgendwie die nächsten Jahrzehnte einfach zu halten und weiterzuentwickeln, nochmal zu verkaufen oder wie auch immer, wissen wir jetzt einfach noch nicht. Also gehen wir total offen ran.

Felix ist jetzt mittlerweile Vollzeit mit dabei auch als Head of Strategy und Operations und jetzt merkst du halt, dass da schon ordentlich was vorwärts geht auch und dass du in so einem Unternehmer wirklich tolle Dinge bewegen kannst.

Thomas Kohler:
Und was gibt dir das? Wie fühlt sich das an? Du hast ja vorher gesagt, dass dich immer irgendwas antreiben muss.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ich finde es schön, wenn du neben deiner eigentlichen Tätigkeit einfach noch andere Themen machst und einfach dazulernst. Und das ist eigentlich der most rewarding Teil an diesem ganzen Thema, dass ich durch dieses Investment eigentlich ein viel, viel besserer Berater werde. Das ist eigentlich das Schöne.

Also ich merke jetzt auch, wenn ich mit anderen, mit Investoren spreche, dass die das gar nicht so, wir sind auch technisch keine Konkurrenz. Ich baue jetzt ja kein Private-Equity-Unternehmen auf. Ich habe ein Beratungsunternehmen und habe als Hobby noch dieses Handwerksunternehmen dazu.

Aber du bist einfach ein viel, viel besserer Berater.

Thomas Kohler:
Das finde ich geil. Das glaube ich dir voll auch, dass du dann einfach, wenn du so viele Themen hast, die du sonst eigentlich nicht hast, aber die Perspektive einnehmen kannst, dass das einfach nochmal was ganz anderes ist als jemand, der einfach vielleicht das sogar als Angestellter macht. Richtig, total.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Und mein Vater, der hat früher flapsig immer gesagt, Vermögensberater kann nur der sein, der selber Vermögen hat. Und so ähnlich finde ich es in dem Bereich auch. Also Private-Equity-Berater sollte eigentlich nur der sein, der selber auch mal Private-Equity erlebt hat und Private-Equity gemacht hat.

Und du verstehst das halt heute, wie gesagt, in einem Deal einfach den gesamten Kontext viel besser. Ja, so eine Financial-on-Tax-Idee, das ist ja so ein kleiner Streifen, der da dann stattfindet. Und dann verzögert sich auf einmal mal was zwei Wochen, wo du früher als Berater immer dachtest, ja warum melden die sich denn jetzt nicht oder es gibt es doch nicht.

Und jetzt heute weißt du, hey, da gibt es vielleicht irgendwelche Querelen mit dem Verkäufer oder man ist sich zu irgendeinem Punkt jetzt wieder nicht klar oder der Fokus liegt jetzt gerade ganz woanders oder mit der Bank knatscht es jetzt gerade mal kurz oder etc. pp. Also dieses Verständnis ist einfach ein komplett anderes.

Und dann auch, wie geht es danach weiter in dem Unternehmen, wenn dir das dann gehört? Wie gehst du die Schritte an? Wo sind da die Herausforderungen und so weiter?

Das kannst du als Berater immer ganz schlau so daherplenkeln, aber wenn du es mal selber von vorne bis hinten gemacht hast, dann berätst du halt auch wiederum viel besser.

Thomas Kohler:
Du hast auch in Faringold investiert, wie kam es dazu?

Dr. Sascha Haggenmüller:
Das war auch wieder so eine Geschichte. Da hat mich der, auch da großer Dank Moritz Neuhaus von Insight Consulting aus Berlin, der hat damals unseren LinkedIn-Auftritt quasi vorangebracht und hat uns da 2024 befähigt, wie man das einigermaßen gut macht. Und mit dem stehe ich eigentlich immer wieder in Kontakt.

Und der meinte dann, das war im Juli 2025, da waren wir gerade in Amerika bei meinen Schwiegereltern. Und dann meinte der, ich glaube das war der dritte, neunte oder vierte neunte, ist so ein cooles Event mit Autos in Berlin. Und da ist unter anderem der Nikita Farnholz, Delivery Hero, Mitgründer und Faringold-Gründer vor Ort und stellt eben Faringold vor.

Und ich war zu dem Zeitpunkt am Gardasee im Urlaub dann, also während dieses Events und habe dann zu meiner Frau gesagt, ich glaube ich muss da irgendwie hin. Und dann bin ich halt am Donnerstagabend vor dem Event von Verona aus dann nach Berlin geflogen, war auf dem Event und bin dann quasi mit dem Investment in Faringold wieder am nächsten Morgen zurück nach Verona geflogen. Und das ist auch wieder so typisch für mich einfach.

Ich bin da halt hin und dann habe ich mich mit dem Nikita unterhalten und habe mich mit dem super gut verstanden. Ist für mich eine wahnsinnig faszinierende Figur in der deutschen Gründerszene. Und ich glaube…

Thomas Kohler:
Jemand der kein Bullshit macht.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Null Bullshit. Und Autos habe ich halt einen kompletten Nagel im Kopf, wie die wissen, die mich kennen. Und dann hat mein Bauch einfach gesagt, jetzt investier da.

Das wird gut sein. Das wird gut werden. Und ich erwarte da jetzt keinen klassischen Profit oder irgendwas, aber einfach in diesem Netzwerk zu sein, sich mit diesen Menschen unterhalten zu können, die Learnings loszubekommen von Leuten, die im Leben schon hunderttausend Mal weiter sind als du selber.

Und auch wieder in einem Kreis zu sein, der dich einfach so challenged, weil du da der kleine Fisch bist, wenn du dann auf so einem Gesellschaftsmeeting sitzt und denkst so, boah krass, das finde ich einfach mega geil. Und war so aus der Komfortzone raus, verbunden mit meiner größten Leidenschaft und halt der Faszination für die Person.

Thomas Kohler:
Besonders, dass du sagst, ich habe auch in Private Equity investiert, wegen dem Grund auch unter anderem. Also ich finde es finanziell auch super spannend, glaube ich eine gute Asset-Klasse. Aber einfach nur, dass man immer wieder auf Events dann Leute trifft, die halt auch in PE investiert haben und so weiter, die auch Firmen haben, das gibt mir sehr viel.

Also da habe ich schon sehr viel rausgezogen und das ist echt nicht zu unterschätzen.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Ja und das ist für mich auch das Kernthema Unternehmertum am Ende. Also Unternehmertum ist ich mache eine Sache für mich zu 120 Prozent. Die sollte ich sehr, sehr gut machen.

Also Radiale ist für mich die eine wesentliche… Ich glaube, bis man an einem gewissen Punkt ist es schon wichtig, die eine Sache zu machen.

Thomas Kohler:
Absolut.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Das war jetzt auch falsch ausgedrückt. Also ich meine damit, dass ich mich deswegen anderen Sachen nicht komplett verschließe. Das meinte ich eigentlich damit.

Natürlich muss ich die eine Sache in Perfektion mit der besten Qualität und dem maximalen Fokus betreiben. Aber Unternehmertum ist für mich nicht das am Ende, sondern Unternehmertum, wie der Begriff schon sagt, ist was Unternehmen und einfach links und rechts zu gucken, was sich im Leben so ergibt. Und ich habe jetzt ein paar Startup-Investments gemacht, was für mich wahnsinnig rewarding ist, wo ich unglaublich viel lerne von Gründern, die vielleicht Dinge auch anders angehen, was ich dann wieder zu Radial tragen kann.

Dann habe ich den eigenen Private-Equity-Deal eben gemacht, was zeitlich jetzt sehr, sehr gut funktioniert, weil, wie gesagt, einer meiner Co-Investoren halt Vollzeit drin ist, weil wir ein mega gutes Team haben und ich halt dann strategisch immer mal wieder mit reingehe und so weiter. Aber meine Zeit da jetzt irgendwo, sage ich mal, begrenzt ist, die ich da investiere. Da auch großen Dank natürlich an meine Mitinvestoren, die da deutlich mehr Gas geben, was mich aber wiederum zu einem deutlich besseren Berater macht.

Und ich finde, diese Themen drumherum auch so ein bisschen zu bauen und zu machen, das ist eigentlich das most rewarding Ding, weil für mich besteht das Leben eigentlich darin, Momente zu sammeln, die besonders sind und Erfahrungen zu sammeln, die besonders sind. Wie ich auch in einem anderen Podcast schon gesagt habe, man muss gesund sein und muss das auch machen können. Also da klopf auf Holz und bin ich unfassbar dankbar.

Aber wenn das gegeben ist, dann geht es ja eigentlich genau darum und eben nicht diesem Muster zu verfallen, dass das Leben so wahnsinnig ernst sein muss immer und so wahnsinnig risikoavers gedacht wird, weil das meines Erachtens nicht der menschlichen Natur entspricht. Der Mensch will Dinge erleben, der Mensch will sich Herausforderungen aussetzen und ich glaube daran, dass das eigentlich jeder möchte. Ich glaube nur, dass viele gesellschaftlich so konditioniert sind, in ein gewisses Raster zu denken und ja kein Risiko einzugehen, dass sie am Ende eigentlich vergessen zu leben.

Und dann schaut man in der Rente auch das Leben zurück und sagt, ich hätte eigentlich schon irgendwie damals mal was wagen können oder ich hätte schon irgendwie da mal was riskieren können oder da hätte ich doch den Falschumschwung machen können. Und das ist für mich eigentlich so die größte Angst im Leben, dass ich irgendwann zurückschaue und sage, du hast es nicht probiert und du hast es nicht erlebt. Und ich arbeite ganz ganz hart daran, dass ich das nicht tun muss.

Mit allen Schwierigkeiten, die damit einhergehen, weil auch mein Hirn natürlich ums Überleben kämpft und Angst hat und oft denkt, geht das jetzt? Aber es gibt so diese besonderen Momente, finde ich, und das war so ein Fahrengold Investment. Das war damals der Anfang der Beziehung mit meiner Frau, die ja aus Amerika ist, wo ich nicht wusste, wie sollen wir das überhaupt mit der Distanz hinbekommen oder auch die Gründung von Radial, wo der Neokortex kalkulatorisch berechnend sagt, nee, mach das nicht, weil ergibt keinen Sinn, hast ja ein gutes Gehalt und so, aber sich der Bauch dann trotzdem durchsetzt, weil du emotional auf das Thema Bock hast. Und das sind für mich die geilsten Momente im Leben, wenn dein berechnendes Hirn eigentlich sagt, weiß nicht so recht, aber der Bauch sagt, das muss jetzt sein, ansonsten bist du unglücklich. Und diese Momente versuche ich herbeizuführen im Leben, ohne dass ich Dummheiten mache, hoffentlich, aber das finde ich immer ziemlich geil. Das kann ja auch Spaß machen.

Thomas Kohler:
Das ist ein schönes Schlusswort. Danke dir, Sascha.

Dr. Sascha Haggenmüller:
Vielen Dank, dass ich da sein durfte und bin gespannt, was deine Zuhörer dann sagen.

About the guest

Dr. Sascha Haggenmüller

Dr. Sascha Haggenmüller ist Co-Founder und Managing Director der Radial Consulting Group. Als promovierter Betriebswirt, US Certified Public Accountant (CPA) und zertifizierter Business Coach verbindet er Finance-Expertise mit Leadership- und Transformationsthemen. Nach vielen Jahren in führenden Positionen bei Deloitte, EY und Porsche Consulting begleitet er heute Unternehmen und Investoren bei Transaktionen, Restrukturierungen und der Weiterentwicklung ihrer Finanzorganisationen. In seinem eigenen Podcast spricht er regelmäßig mit Unternehmerinnen und Unternehmern über die Menschen hinter erfolgreichen Unternehmen.